Ein Verstoß gegen die guten Sitten - warum der Whopper im Vergleich zum Big Mac nicht besser schmecken darf

Eine ganz besondere Marketingstrategie hatte sich die Fast-Food-Kette Burger King einfallen lassen: Während des Bundestagswahlkampfes im Jahr 1998 ließ sie vom Marktforschungsinstitut Infratest/Burke einen Geschmackstest durchführen. 1010 Testpersonen sollten sich entweder für die Pommes Frites von McDonalds oder für die King Pommes von Burger King entscheiden. Das Ergebnis war eindeutig: 81% bevorzugten die Fritten von Burger King. Dazu gesellten sich die Ergebnisse einer angeblichen Umfrage, in der Fast-Food-Konsumenten mit 62% zu Gunsten des Whoppers zum Nachteil des Big Mac votierten.

Während des Bundestagswahlkampfes bewarb Burger King als fingierte „BKD“ – Partei (Burger King für Deutschland) den Whopper und die King Pommes mit den Slogans „Satte Mehrheit!“ und „Ganz krosser Unterschied“. Dazu wurden die Umfrageergebnisse in den Anzeigen dargestellt und durch zwei Säulen visuell in Szene gesetzt.

Wenn sich vier von fünf Testpersonen einig sind - so sollte man als Verbraucher annehmen - kann man sich auf ihre Urteile verlassen. Doch das Kölner Landgericht entschied anders. Grundsätzlich ließen sich aus Umfragen keine nachprüfbaren Eigenschaften von Burgern und Pommes ableiten. Waren oder Dienstleistungen verglichener Waren müssten objektiv, wesentlich und nachprüfbar sein. Man dürfe also keine Images, Meinungen oder persönlichen Werturteile miteinander vergleichen. Lediglich die objektiv nachprüfbaren Eigenschaften dürften Gegenstand des Vergleichs sein. Das Urteil: Bestandteil des Big Mac sind Tomate, Gurke, Mayonnaise und Ketchup – der Whopper hingegen werde ohne Ketchup zubereitet und enthalte obendrein auch noch Käse. Da die Hamburger sich nicht entsprechen, kann man sie auch nicht vergleichen. Das Gericht war also der Meinung, dass der Geschmack, auch wenn er von einer repräsentativen Testgruppe stammt, keine objektive Tatsache darstellt.

Literatur

Juristischer Informationsdienst. 2009. Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Abgerufen von  http://dejure.org/gesetze/UWG.

Rechtsinformationssystem Bundeskanzleramt. 2013. Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Abgerufen von http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10002665.

Schneider, K. (2000). Werbung in Theorie und Praxis. Waiblingen: M&S.

Spiegel-Online (16. April, 1999). Werbekrieg: Burger King verliert erneut gegen McDonald's. Abgerufen von http://www.spiegel.de/wirtschaft/werbekrieg-burger-king-verliert-erneut-gegen-mcdonald-s-a-18078.html.

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