Das Jahr 1997: Die Profilierung

Die Zielbestimmung für das Jahr 1997 beschreibt Matthias Machnig folgendermaßen:

1997 ging es darum, die Image- und Kompetenzdefizite zu korrigieren, die Partei programmatisch in die Offensive zu führen, sie neu zu motivieren und die organisatorischen und logistischen Vorarbeiten für das Wahljahr 1998 zu leisten.

Zentrale Botschaften der Sozialdemokraten an die Öffentlichkeit sind der nötige Zeitpunkt für einen Politikwechsel in Bonn resp. Berlin, das Eintreten für Deutschland als einem Innovationsstandort und eine Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft.

Die zu verfolgenden Leitlinien sind: klare Abgrenzung zu politischen Konkurrenz und die Entwicklung eines klaren und unverwechselbaren Programms. Sozialdemokratische Leitbegriffe werden "Innovation und Gerechtigkeit", auf die später noch explizit einzugehen ist.

Neben personell-international besetzten Konferenzen und Kongressen, die die Partei thematisch voran treiben sollen, ist der Bundesparteitag von Hannover (2. bis 4. Dezember 1997) von entscheidender Bedeutung. Hier verabschiedet der Parteivorstand grundsätzliche Leitlinien für die Regierungspolitik, sollte die Wählerinnen und Wähler die Verantwortung an die Sozialdemokraten delegieren. Daneben gibt sich die Partei neue Präsentationsformen.

Wiederum von der Meinungsforschung begleitet, startet die SPD in diesem Jahr die sog. Kampagne "Innovation und Gerechtigkeit" (vgl. Abschnitt 2.4.1). Resultat dieser doch ungewöhnlichen Kampagne, sowohl inhaltlich als auch zeitlich, ist Ende des Jahres feststellbar: Die Chiffre "Innovation und Gerechtigkeit" verbinden die Bürgerinnen und Bürger mit der SPD. Die Partei wird als "Zukunftspartei" wahrgenommen; sie vermittelt Hoffnungen, verfügt über "moderne" politische Aussagen und stellt ein überzeugendes Personal bereit. Durch dieses neue Image der Partei soll nicht nur das klassische SPD-Wählerspektrum, sondern auch die sog. "Neue Mitte" angesprochen werden.

Die Kampagne "Innovation und Gerechtigkeit" muss der inhaltlichen Bedeutung nach zweigeteilt werden; sie hat neben der programmatischen Bedeutung auch eine personale, daher sie verkörpert das Führungsduo der Partei, hier Oskar Lafontaine, "Sinnbild" für Gerechtigkeit, dort Gerhard Schröder, der Mann mit dem "innovativen Touch" (Machnig, 1999).

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